Großmutter werden .....

oder ...„Kinder wie die Zeit vergeht“

 

 

Vor 6 Wochen bin ich Großmutter geworden. Ist das zu fassen? Ist noch gar nicht richtig angekommen. Ich bin jetzt eine „Oma“ wobei, so viel Zeit muss sein, ich bin, genauer gesagt, eine „Oti“! Da wo ich her komme nennt man das nämlich so. Den Titel „Oma“ kann „die andere haben“ ich bin ja an sich nicht pingelig, aber da bestehe dann doch mal drauf.

 

Davon mal ganz abgesehen das dieses wunderbare Ereignis  auch bedeutet ein gewisses Alter erreicht zu haben, staune ich immer wieder, wenn ich sehe dass mein Baby nun das Ihre umsorgt, wiegt, liebkost und sich Sorgen macht. Instinktiv alles richtig macht. Ich wünschte sie wüsste das!

 

Eben noch habe ich von ihr nach dem Kindergarten einen liebevoll selbstgebastelten Gutschein für ein halbes Hähnchen bekommen und nun hat sie ein Baby. Ich habe ein Enkelkind. Ich muss ja nicht erst erwähnen dass es natürlich das schönste, klügste und bezauberndste Enkelkind weltweit ist oder? Weil, das haben wir ja alle und das ist auch gut so ;-)

 

Vielleicht lernen sich dank der neuen virtuell immer näher zusammenwachsenden Welt unsere tollsten Enkelkinder mal kennen, so abwegig ist das gar nicht.

 

Mir geht jedes Mal ordnungsgemäß mein Herz auf wenn ich dieses kleine Wesen sehe was mich schon jetzt zu 100 % in seinen Bann gezogen hat. Liebe auf den ersten Blick und schon davor sozusagen. Ein bisschen Wehmut schwingt mit. Ich denke unweigerlich an meine Kindheit, an meine vor zwei Jahren verstorbene Mutter und wie sehr sie sich gefreut hätte. Daran was ich wohl alles falsch oder richtig gemacht habe. Daran was auf meine Tochter nun alles zu kommt. Welche Rolle ich wohl spiele bei meiner Enkeltochter. Interessant ist, dass dieses Baby anscheinend mit der gesamten Familie etwas macht. Die ganze Konstellation scheint sich zu verschieben. Kaum merklich, aber spürbar. Jetzt bin ich nicht nur „Best Ager“ jetzt bin ich auch noch Oldie.WOW! Hab doch selbst auf dem Schulhof gerade erst noch meinem Schwarm die Mütze geklaut….

 

Anfangs war ich etwas unsicher, wie auch in die Mutterrolle muss man wohl in die der Großmutter auch hinein wachsen. Damit hatte ich ehrlichgesagt so gar nicht gerechnet.

 

Wusste nicht so ganz genau was außer Liebe von mir erwartet wird, fühlte mich irgendwie ein wenig überflüssig. Angst mich aufzudrängen oder das Gegenteil. Die Art von Oma die wir noch hatten hat glaube ich ausgedient, das Problem ist nur, wir kennen es nicht anders. Unsere Omas waren alle so eine Art Oberste Instanz-Festplatte, die alles wussten, alles richtig machten du gut gekocht haben.

 

Oder haben das unsere Mütter vielleicht doch ganz anders empfunden? Schade, habe ich meine Mutter gar nicht gefragt. So vieles auf der Welt ist so ganz anders als die selbstverständliche Vorstellung die wir davon haben. Wenn das Baby damals Schnupfen hatte wurde sicher die Mutter um Rat gefragt, heut zu Tage fragt man Google. Das verunsichert uns Best-Age-Neu-Großmütter etwas. Habe ich nicht auch relativ erfolgreich ein Kind groß bekommen? „Heute ist aber alles anders Mama, anders als vor 26 Jahren“ – „Ja, das mag sein, aber inwiefern hat sich ein Baby-Schnupfen“ verändert? Ich habe gelernt dass sich nicht der Schnupfen verändert sondern dass, was man dagegen tut. Achso, naja dann….ich bin ja lernfähig.

 

Ich weiß nicht ob das gegoogle das Leben wirklich einfacher macht, oder ob auch das am Ende die jungen Eltern nicht eher verunsichert. Machen sie doch meiner Meinung nach alles richtig.

 

Aber Großmütter, ja, unsere Rolle ist jetzt wohl eine andere. Und ja, ich muss zugeben dass Google vielleicht tatsächlich einiges besser weiß oder zumindest auf dem neuesten Stand ist.

 

Ich für meinen Teil habe daher jetzt ganz bewusst meinen Frieden mit Google gemacht, und ich befürchte Google hat das nicht mal gemerkt. Anyway.

 

Was Google nämlich nicht kann:

 

Google kann meine Tochter nicht in den Arm nehmen und Ihr sagen wie gut sie das alles macht, ihr sagen dass ihr Instinkt genau weiß was ihr Baby braucht, sie unterstützen und ihr sagen dass sie genau so wie sie ist richtig und wunderbar ist. Ich bin mir auch nicht sicher ob Google mal auf ein Käffchen vorbei kommt, aufräumt oder sich um das Enkelkind kümmert damit die junge Mutter mal durchatmen kann.

 

Zuversicht und Vertrauen geben, unterstützen und lieben, genau dafür sind wir da und das hat meiner Meinung nach noch lange nicht ausgedient!